Sind erneuerbare Energien bald wetterunabhängig nutzbar?
Ökologische Stromerzeugung ist gut und wichtig. Aber ihr Hauptproblem ist die Unbeständigkeit, das je nach Wetterlage entweder zu viel Strom erzeugt wird oder zu wenig, und man bisher keine zufriedenstellenden Lösungen finden konnte, um dieses Problem zu lösen.
Deshalb sind Forscher weiterhin auf der Suche nach Möglichkeiten, den in guten Zeiten überflüssigen Strom irgendwo zu puffern, um ihn bei schlechten Wetterlagen abrufen zu können.
Neue Methoden zur Speicherung
Allerdings sind jetzt auf der Internationalen Konferenz zur Speicherung erneuerbarer Energien in Bonn einige interessante Projekte vorgestellt worden. Das Konzept mit dem höchsten Realisierungspotential ist wohl die Kombination unterschiedlicher Energiequellen zu einem virtuellen Großkraftwerk, mithilfe dessen zu jeder Zeit eine verlässliche Menge an Strom geliefert werden kann. Der überschüssige Strom aus den Sonnen- und Windkraftanlagen wird dazu verwendet, einen künstlichen oder bereits vorhandenen Stausee mit Wasser zu füllen. Wenn Flaute herrscht oder die Sonne nicht scheint, dann wird mithilfe des Wassers ein Wasserkraftwerk betrieben. Als zusätzliche Komponente sollen auch Blockheizkraftwerke, die mithilfe von Biogas betrieben werden, diese Kombination bereichern.
Kombination fossiler und erneuerbarer Energien
Was bei solchen Kombikraftwerken jedoch die größte Herausforderung darstellt, ist eine einwandfreie Steuerung, wofür nicht nur die schwankende Stromproduktion mit einbezogen werden muss, sondern auch der ebenfalls schwankende Strombedarf der zu versorgenden Bevölkerung. Das Pilotprojekt ist vom Kasseler Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) bereits aufgebaut worden. Dafür werden im gesamten Bundesgebiet derzeit 27 ökologische Kraftwerke, sprich Wind-, Solar- und Biogasanlagen, zusammengeschaltet, und ein Stausee in Thüringen dient als Stromspeicher. Noch ist die zuverlässige Stromversorgung von 23 Megawatt noch nicht ganz gewährleistet, man arbeitet aber ständig weiter an neuen Speicherstrategien.
Das zweite Pilotprojekt dieser Art befindet sich derzeit noch in der Entstehung. In der Uckermark sollen insgesamt acht Windkraftwerke mit einer Biogasanlage kombiniert werden. Dadurch, dass bei dieser Anlage Wasserstoff als Energiespeicher genutzt wird, bezeichnen die Betreiber es auch als Hybridkraftwerk. Diese in Deutschland einmalige Anlage wird dementsprechend auch die ökologische Brennstoffzellentechnologie entscheidend voranbringen können, der ja bisher immer ein Großlieferant für Wasserstoff fehlte. Wie das Ganze ab dem Jahre 2008 dann tatsächlich realisiert wird, bleibt abzuwarten.
Zwei weitere Möglichkeiten zur Energiespeicherung bleiben noch offen. Einige Forscher schlugen bei dem Kongress künstlich erzeugte Kälte als Energiespeicher vor. Als Beispiel kann Japan angeführt werden, wo mittels durch billigen Nachtstrom gefüllte Kältespeicher tagsüber die Klimaanlagen versorgt werden. Auch Kühlhäuser hätten dafür ein großes Speicherpotential. Vorreiter in dieser Richtung ist Neuseeland, wo die Kühlhäuser bereits seit über sieben Jahren über eine intelligente Steuerung betrieben werden, die je nach Stromangebot die Aggregate an und aus schaltet. In Deutschland ist diese Methode nicht nur für einzelne große Kühlanlagen angedacht, sondern auch für Supermärkte und ähnliche Unternehmen, die einen hohen Kühlbedarf haben.
Speziell für Windkraftanlagen gibt es außerdem Bemühungen, die überschüssige Energie in Form von Druckluft zu speichern. Da hierfür jedoch große Behälter benötigt werden, gibt es eine Initiative des Fachinformationszentrum (FIZ) in Karlsruhe, die dafür bereits vorhandene Salzstollen in Anspruch nehmen möchte. Darüber ließe sich die Energie in Form von Druckluft bei Bedarf wieder abrufen. Das Gute ist natürlich, dass alle diese Bemühungen dazu führen, dass erneuerbare Energien wirtschaftlicher und damit auch besser einsetzbar werden. Das kommt nicht nur der Umwelt zu Gute, sondern sollte auch jedem Verbraucher bewusst machen, wie wichtig eine effiziente Stromnutzung und vor allem Stromeinsparung sein kann.
